Stammt das Jakobus-Ossuar aus Talpiot?Die angebliche Fälschung stand womöglich im Grab der Jesus-Familie.
Das berühmte Jakobus-Ossuar könnte eine Fälschung sein - oder aber der fehlende Knochenkasten aus dem Grab der Jesus-Familie in Talpiot.
Ossuare sind Steinkästen, in denen vor etwa zweitausend Jahren im heutigen Israel die Knochen von Verstorbenen beigesetzt wurden. Zu diesem Zweck ließ man zunächst die in ein Tuch gehüllte Leiche für ein Jahr in einem Felsengrab verwesen. Anschließend wurden die Überreste in das Ossuar gelegt. Obwohl dieser Brauch nur etwa hundert Jahre lang bestand, haben Archäologen inzwischen Tausende dieser Knochenkästen gefunden. Einige tragen Verzierungen, auf sehr vielen finden sich einfach gehaltene Namensinschriften. Diese dienten wohl in erster Linie der Zuordnung der Kästen durch die Hinterbliebenen, da meistens etliche Ossuare in einem Familiengrab beigesetzt wurden. Das berühmteste dieser Gräber liegt im Jerusalemer Stadtteil Talpiot und war vermutlich das Grab der Jesus-Familie. Es ist auch als das „Grab der zehn Ossuare“ bekannt, denn so viele wurden dort gefunden. Unter ungeklärten Umständen ist aber eines dieser Ossuare später verschwunden. Die genaue Herkunft des Jakobus-Ossuars ist unklarEin weiterer berühmter Knochenkasten ist das sogenannte Jakobus-Ossuar. Ein bekannter Sammler aus Tel Aviv, Oleg Golan, erwarb diesen Kasten vor Jahren auf einem Antiquitätenmarkt. Aus diesem Grund ist leider die Herkunft des Stückes unbekannt. Dieses Ossuar trägt aber eine aufsehenerregende Inschrift, die anscheinend erst nach einer Reinigung richtig erkennbar wurde: Yakov bar Yosef achui d’Yeshua – Jakob, Sohn von Josef, Bruder von Jesus. Zwar waren diese drei Namen zur Zeit Jesu recht häufig, die besondere Kombination von Vater, Sohn und Bruder ist aber bemerkenswert. Hinzu kommt, dass die Nennung des Bruders eher ungewöhnlich ist und darauf hindeutet, dass dieser Bruder (also Yeshua, zu Deutsch Jesus) eine bekannte Persönlichkeit war. Deshalb lag die Vermutung nahe, dass es sich um das Ossuar von Jakobus dem Gerechten handelte, einem der Brüder des Religionsstifters Jesus. Stammen die Worte „Bruder von Jesus“ von Oleg Golan?Die katholische Kirche (anders als die evangelische) streitet zwar ab, dass Jesus leibliche Geschwister gehabt habe. Das ist aber wenig überzeugend, da Jesus selbst am Ende des zwölften Kapitels des Mattäus-Evangeliums seine Jünger gerade seinen leiblichen Brüdern gegenüberstellt. Auf jeden Fall ist Yakov (also Jakob oder latinisiert Jakobus, genannt „der Gerechte“) als einer der Führer der urchristlichen Gemeinde von Jerusalem historisch besser belegt als die meisten anderen Personen in den Evangelien. Es muss also davon ausgegangen werden, dass seine Knochen nach seiner Hinrichtung im Jahre 62 nach Christus in einem Ossuar in oder bei Jerusalem beerdigt wurden. Hielt nun Oleg Golan eben dieses Ossuar in der Hand? Zunächst - von 2002 bis 2003 - wurde der Sensationsfund im Royal Ontario Museum in Toronto, Kanada, ausgestellt. Dann aber wurde er von der Polizei beschlagnahmt. Obwohl frühere Untersuchungen die Echtheit des Ossuars und der Inschrift bestätigt hatten, wurde ein weiterer Test durchgeführt – und Golan schließlich wegen Fälschung angeklagt. Patina-Untersuchungen kamen zu unterschiedlichen ErgebnissenAlle Experten sind sich bis heute darin einig, dass das Ossuar selbst sowie der erste Teil der Inschrift echt sind. Behauptet wurde nun aber, der zweite Teil der Inschrift – „Bruder von Jesus“ – sei gefälscht, um damit den Wert des Ossuars zu steigern. Dies wurde aus einer Untersuchung der Patina gefolgert, also der mineralischen Ablagerung, die sich auf Gegenständen in Gräbern im Laufe von Jahrhunderten bildet. Ohne den hinteren Teil der Inschrift aber konnte es sich genauso gut um das Ossuar eines anderen Yakov handeln. Für eine Weile wurde es still um den Knochenkasten. Dann jedoch untersuchten der Regisseur James Cameron, Simcha Jacobovici und Charles Pellegrino das Grab der zehn Ossuare – und stellten in einem Dokumentarfilm die These auf, dass es sich beim Jakobus-Ossuar um eben jenen Kasten handelt, der kurz nach der Entdeckung des Grabes verschwunden ist. Auch sie ließen Patina-Untersuchungen durchführen, mit dem Ergebnis, dass die Ablagerungen auf dem Jakobus-Ossuar mit denen aus dem Grab der Jesus-Familie übereinstimmen. Das Jakobus-Ossuar und die Jesus-FamilieDie abweichende Patina auf einem Teil der Inschrift führen sie auf die Reinigung des Kastens zurück, nicht zuletzt deshalb, weil sich dort chemische Spuren eines typischen Reinigungsmittels finden. Allerdings wurden diese Ergebnisse ihrerseits in einem Dokumentarfilm des Amerikaners Ted Koppel in Frage gestellt. Koppels Argumentation scheint sich jedoch im Wesentlichen auf unbestätigte mündliche Aussagen zu stützen. Angesichts der möglichen Bedeutung des Jakobus-Ossuars – nicht zuletzt auch als zusätzliches Indiz für die Zuordnung des Grabes der zehn Ossuare zur Jesus-Familie – bleibt nur zu hoffen, dass bald weitere Untersuchungen durchgeführt werden und insbesondere die bisher beteiligten Personen sich offen und unvoreingenommen zu ihren Erkenntnissen äußern. Leider ist anscheinend Letzteres im Bereich der biblischen Archäologie nicht immer der Fall.
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